In Bezug auf das breit diskutierte Thema gefälschter Produkte auf der Online-Auktionsplattform ist eBay nun in die Offensive gegangen. Das Unternehmen fordert die weltweite Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden, Inhabern von Markenrechten und Verbrauchern im Kampf gegen die zunehmende Produktpiraterie. Beobachter vermuten, dass eBay mit dem proaktiven Vorgehen seine Chancen im Rechtsstreit gegen den Edelschmuckhersteller Tiffany verbessern will. Alleine im Jahr 2008 wurden über eBay international rund 2,7 Milliarden Produkte zum Kauf angeboten. Hierunter befanden sich auch zahlreiche Fälschungen, vor allem im Bereich von Marken- und Luxusartikeln. Die Inhaber von Markenrechten hatten in der Vergangenheit häufiger gegen das Online-Auktionshaus geklagt und damit den Versuch unternommen, eBay die Verantwortung für illegal eingestellte Angebote zuzuweisen. In den meisten Fällen wurde bislang zu Gunsten von eBay entschieden. Viele Gerichte beurteilten die bestehenden Systemen zur Abwehr gefälschter Produkteinstellungen als ausreichend. So hatte eBay alleine im Jahr 2008 rund 2,1 Millionen verdächtige Angebote gelöscht und die Accounts von 30.000 eBay Verkäufern dauerhaft gelöscht. Der Schmuckhersteller Tiffany hatte im Jahre 2004 eine Reihe von Testbestellungen über eBay durchgeführt und dabei festgestellt, dass es sich in rund 75 Prozent der Fälle um gefälschte Tiffany Produkte handelte. In der Folge reichte der Hersteller Klage ein. Ein New Yorker Gericht hatte im Juli 2008 zu Gunsten von eBay entschieden und die Tiffany Klage abgewiesen. Das Unternehmen hatte daraufhin entschieden, ein Berufungsverfahren einzuleiten, dessen Urteil nun mit Spannung erwartet wird. Offenbar hat eBay sich entschieden, zu einer internationalen Offensive gegen die Produktpiraterie aufzurufen und dabei gefordert, dass alle beteiligten Parteien gemeinsam den Kampf gegen die unlauteren Angebote aufnehmen müssen. Das Auktionshaus stellt bereits jetzt wirksame Systeme zur Prävention zur Verfügung und bietet Markeninhabern an, sich im Rahmen des „Verified Rights Owner Program (VeRO) aktiv an den Maßnahmen zu beteiligen. Meldet der Inhaber einer Marke den begründeten Verdacht auf einen Verstoß gegen seine Rechte, so entfernt eBay das betreffende Angebot innerhalb von kurzer Zeit und sperrt unter Umständen den Account des jeweiligen Anbieters. Zusätzlich haben auch eBay Nutzer die Möglichkeit, verdächtig erscheinende Produkte unmittelbar an eBay zu melden. Käme es dazu, dass in einem der prominenten Verfahren gegen eBay entschieden würde, so stünde das Unternehmen vor ernsthaften Problemen. Eine manuelle Prüfung jedes Angebotes, noch bevor dieses auf den eBay Seiten durch Verbraucher aufgerufen werden kann, setzt einen so erheblichen Personalaufwand voraus, dass das gesamte Geschäftsmodell dadurch in Frage gestellt würde. Insofern ist die aktuelle Kampagne sicher geeignet Gerichten auf der ganzen Welt präventiv zu zeigen, dass eBay den Schutz von Markenrechten ernst nimmt und die daraus erwachsende Verantwortung übernommen hat.