Mit 360°- Fotos die eigenen Produkte professionell präsentieren

Mit 360°- Fotos die eigenen Produkte professionell präsentieren

Als der Event-Manager Daniel Nitzschke 2006 eine eigene Agentur gründete, war die Grundausrichtung seines Unternehmens noch auf die Planung und Betreuung von Events ausgerichtet. Doch schon nach kurzer Zeit wurde der Schwerpunkt immer mehr in Richtung ECommerce, professionelle Online-Marketing-Konzepte bis hin zu Online- Shop-Entwicklungen verlagert. Deshalb wurde bereits 2007 die Firma plasPix360 gegründet, welche sich heute bereits im Bereich der Niedrigpreis-Produktpräsentation etabliert hat. Jahresumsätze im sechsstelligen Bereich und Wachstumsraten von fast 100% lässt das Potenzial des vier Personen starken Unternehmens erkennen. Eine klare Produktphilosophie, das Produkt des Online-Shop-Betreibers zu präsentieren und nicht dem Online-Shop-Besucher eine aufwendige hergestellte Produktansicht darzubieten, zielt genau auf den Bedarf von jungen Start-Ups und Existenzgründern im E-Commerce ab. Geschäftsführer Daniel Nitzschke spricht im INTERNETHANDEL-Interview über eigene Erfahrungen als Selbständiger und zukünftige Meilensteine des Unternehmens.

 

 1. Seit wann gibt es Ihre Firma?

Das Unternehmen plasPix360 (www.plaspix-360grad.de) gibt es seit 2007. Seit 2009 ist das Unternehmen ein Geschäftsbereich der KINZOO Mediengruppe Deutschland, zu der auch die E-Commerce-Agentur Ja, mein Kind?! (www.jameinkind.de) gehört.

 

 2. Woher kam die Idee, die Firma zu gründen?

Im Rahmen einer Onlineshop-Entwicklung wurden wir seitens des Kunden beauftragt, eine geeignete Präsentationsform für die angebotenen Produkte auszuwählen. Wir haben in diesem Zuge den Einsatz von interaktiven 360°-Produktansichten in Erwägung gezogen. Es folgten Anbieter- und Preis-Recherchen. Wir stellten fest, dass die meisten Anbieter relativ hohe Preise für die Umsetzung veranschlagen. Bei Produktsortimenten mit geringen Gewinnmargen oder hoher Fluktuation sind 360°-Ansichten damit aber uninteressant. Da die technische Umsetzung auf den ersten Blick nicht sonderlich anspruchsvoll schien und das Niveau der Animationen durchaus professionell aber keineswegs künstlerisch sein muss, haben wir schon recht früh erwogen, die Umsetzung selbst als neuen Geschäftsbereich zu etablieren. Die Materialund Raumkosten für ein eigenes Studio sollten sich relativ schnell amortisieren. Interessant war die Entwicklung in diesem Bereich. Als wir mit unserem Angebot an den Markt herangetreten sind, gab es in Deutschland kaum mehr als 5 Anbieter, mittlerweile ist der Markt nahezu unüberschaubar. In den meisten Fällen geht es hier aber um Fotografen, die das Wegbrechen der klassischen Portrait-Nachfrage mit Produktfotografie kompensieren wollen. Hier fehlt oft das Verständnis für den Markt und die Kunden, was sich in mangelnder oder überschwänglicher Qualität zu unverhältnismäßigen Preisen ausdrückt. Wir haben den Fokus stets auf den Konsumenten gerichtet, anstatt den Online-Shop-Betreiber zu beeindrucken.

 

 3. Wie jung sind Sie und was haben Sie vorher beruflich gemacht?

Ich bin im Juni 2011 30 Jahre alt geworden. Neben einer Ausbildung als Restaurant-Fachmann und später als Event- Manager habe ich mich schon immer für die Entwicklung von Konzepten interessiert, die Menschen zu einer bestimmten Handlung bewegen.

 

 4. Beschreiben Sie den Werdegang des Unternehmens etwas ausführlicher (Start, Startschwierigkeiten, Entwicklung in den ersten Jahren, heutiger Stand).

Vor etwa 5 Jahren habe ich mit einem Partner eine Event-Agentur gegründet. Die Aufträge tendierten schon nach kurzer Zeit immer mehr in Richtung Konzeption und übergreifende Maßnahmen im Marketing. Diese Entwicklung ging so weit, dass wir irgendwann angefangen haben, auch Konzepte für Unternehmen aus dem E-Commerce zu entwickeln. Dabei ging es zunächst um Social-Media-Projekte, die auf Plattformen wie Myspace und Youtube, später auch bei Facebook umgesetzt wurden. Im weiteren Verlauf schob sich zusätzlich die Entwicklung von Layouts und deren technische Umsetzung in den Vordergrund und übernahm irgendwann, auch aus wirtschaftlichen Gründen, die Führungsrolle in unserem Portfolio. Diese Grundlage war ausschlaggebend für die Gründung von plasPix360, da hier offensichtlich großes Potenzial für Synergien vorhanden war. Mein Partner war mittlerweile ausgeschieden und ich brachte Monate hinter mich, in denen ich rund 14 Stunden täglich am Computer saß und Websites für ein paar hundert Euro entwickelte. Die Umgebung dazu reichte damals vom Schreibtisch in meinem Wohnzimmer über einen extra Büroraum in der nächsten Wohnung. Als das auch nicht mehr ausreichte, habe ich zusätzliche Wohnungen im gleichen Haus angemietet, um Studio und Büros unterzubringen. Zurzeit haben wir unsere Räume in einer großen Gewerbeeinheit in Berlin Prenzlauer-Berg. Der Wandel vom Selbständigen zum Entrepreneur wurde durch einige Schlüsselerlebnisse angestoßen und ist bis heute nicht abgeschlossen. Nach wie vor nehme ich gern Einfluss auf bestimmte Bereiche im Unternehmen. Dazu zählen Kunden-Gespräche, Qualitätskontrollen oder ein regelmäßiger Blick auf die Abläufe in unserem Studio. Auf Investoren wollte ich nie angewiesen sein, das hat sich bis heute nicht geändert. Mittlerweile erzielen wir jährlich Umsätze im sechsstelligen Bereich.

 

 Daniel Nitzschke5. Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie heute?

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 4 feste Mitarbeiter und einen großen Stamm freier Mitarbeiter im In- und Ausland.

 

6. Welche Prinzipien haben Sie als Unternehmer?

Wir schließen alle Projekte so ab, dass wir selbst damit zufrieden sind, auch wenn das bedeutet, dass wir über den kalkulierten Aufwand arbeiten müssen. Wenn es Innovationspotenzial gibt, möchten wir uns später nicht ärgern, dass wir den Zug verpasst haben.

 

7. Was bedeutet es für Sie, selbständig zu sein?

In erster Linie bedeutet es, Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern, meinen Kunden und natürlich auch meiner Familie. Ich werde im nächsten Jahr Vater und sehe da noch allerhand Neues auf mich zukommen. Selbständig zu sein heißt, Ideen verwirklichen zu können, dessen Potential man vielleicht nur selbst erkennt. plasPix360 ist ein gutes Beispiel dafür.

 

8. Wie schätzen Sie Ihre eigene Situation bezüglich Marktanteile, Umsatzentwicklung, Konkurrenz und eigenem Wachstumspotenzial ein?

Wir haben in den letzten 3 Jahren seit Bestehen der Kapitalgesellschaft unsere Umsätze jährlich nahezu verdoppelt und das obwohl es bereits viele Strukturen gab, die sich damals noch im Rahmen einer Personengesellschaft entwickelt haben. Mit plasPix360 möchten wir uns ganz klar im Niedrigpreis-Segment etablieren, dabei legen wir trotzdem allergrößten Wert auf die Qualität unseres Angebots. In letzter Zeit verzeichnen wir ein großes Wachstum im Bereich klassischer Produktfotografie, hier ist der Markt natürlich um ein Vielfaches größer. Viele unserer Mitbewerber im Bereich 360°-Ansichten legen meist großen Wert auf den künstlerischen Aspekt und vergessen dabei den Sinn einer Produktpräsentation – nämlich die Präsentation des Produkts und nicht das Präsentieren einer aufwendig produzierten Produktansicht, deren klassischer Nutzen nicht über den einer weitaus günstigeren Variante hinaus geht.

 

9. Was sind Ihre nächsten Meilensteine und wie wollen Sie diese erreichen?

Unser Fokus richtet sich momentan in erster Linie auf die Optimierung bestehender Prozesse. Eine unkontrollierte Expansion führt meist dazu, dass wichtige Abschnitte in der Unternehmensentwicklung zu schnell passiert werden müssen. Die dadurch entgangenen Erfahrungen behindern oft eine professionelle und effektive Unternehmensentwicklung. Neben namhaften Kunden wie O’Neal oder bugatti shoes möchten wir uns im Bereich der hochwertigen Produktfotos (statisch und animiert) zu einem auch bei geringen Gewinnmargen vertretbaren Preis weiter etablieren. In diesem Zuge wird es in den nächsten Monaten eine stärkere Konzentration im Bereich der technischen und inhaltlichen Weiterentwicklung geben. Dazu zählt auch die Entwicklung eines performanten Systems auf HTML5-Basis. Aktuell basiert unser System noch auf Flash, was bei Tablet-PCs von Apple bekanntermaßen nicht angezeigt werden kann. Mittlerweile haben wir einen Tablet- PC-tauglichen Player entwickelt, der auch auf dem iPhone und dem iPad lauffähig ist. Momentan planen wir außerdem den Aufbau eines zweiten Studios, um kurzfristige Projekte auch weiterhin ohne Einschränkung umsetzen zu können.

 

10. Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesteckt?

Ich möchte mich auch in Zukunft weiter auf die Entwicklung unseres Unternehmens konzentrieren. Die Geschäftsbereiche für Online-Shop-Entwicklung und Produktpräsentation sollen in Zukunft stärker ineinander greifen. In diesem Zuge soll vorhandenes Potential maximiert werden. Konkret bedeutet das, dass wir Abläufe analysieren und mögliche Optimierungen entwickeln.

 

11. Haben Sie abschließend einen Tipp für unsere Leser?

Insbesondere Unternehmern mit einer starken persönlichen Auslastung kann ich empfehlen, genau zu prüfen, ob alle Aufgaben, die sie noch selbst erledigen, wirklich von Ihnen ausgeführt werden müssen. Ich habe lange gebraucht, um einzusehen, dass ein zusätzlicher Mitarbeiter nicht nur sinnvoll sein kann, sich selbst oder andere Mitarbeiter zu entlasten, sondern auch um Raum zu schaffen, den man als Unternehmer braucht, um sich fernab des Tagesgeschäfts auch um die Entwicklung des eigenen Unternehmens zu kümmern. Zumal es gefährlich sein kann, wenn man selbst eine Fachkraft im eigenen Unternehmen ist, geschweige denn Schlüsselfigur. Das Unternehmen muss in den Kernbereichen auch ohne den Unternehmer funktionieren, sonst kommt alles zum Erliegen, wenn man selbst verhindert ist. Ein neuer Angestellter ist meist schnell angelernt, einen Geschäftsführer einzustellen und einzuweisen ist weitaus teurer und birgt ungemein mehr Risiken.

 

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Ausgabe 99 [01/2012]

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